"Momente mit Promis"

Engelbert: Einfach irre! Der Weltstar rief mich sogar daheim an

Engelbert (li.) mit Gerald Vukits

Ich hätte niemals zu träumen gewagt, jemals in meinem Leben den Weltstar Engelbert Humperdinck zu treffen. Bei seinem Welthit „Please, release me“ habe ich mich verliebt. Ich versäume keine TV-Show, in der er auftritt. Er ist für mich der Entertainer schlechthin.

Und dieser Engelbert kam nun, im Dezember 1996, im Zuge seiner Welttournee, nach Wien, ins „Austria Center“. Davon, dass er kommen würde, erfuhr ich ein paar Wochen davor mehr oder weniger durch Zufall. In der Redaktion kam ich in das Bürozimmer eines Kollegen und sah in dessen Mistkübel (!), obenauf, die Presseaussendung, die Engelberts Gastspiel in Wien ankündigte.

„Was denn? Der Engelbert kommt!?“, fragte ich meinen Kollegen hysterisch und begann sofort, in dessen Müll zu fischen.
Mein Kollege, ziemlich gelangweilt: „Wer kommt ...?“
Ich: „Da ist ja die Presse-Aussendung!“
Mein Kollege meinte wenig angetan: „Hm …“ – und schrieb an seiner Gartenserie weiter.

Auch die meisten meiner Freunde und Bekannten riss es nicht sonderlich vom Hocker, dass der Engelbert kommt. Und somit riss es auch kaum jemanden vom Hocker, als ich einen Interview-Termin mit ihm bekam. Ein persönliches Interview, im Hotel „Hilton“ in Wien. Ich freute mich also mehr oder weniger allein. Was heißt freuen? Das war einfach unglaublich für mich! Da saß ich nun bei einem Kaffee im feinen Hotel und wusste, gleich kommt mein größtes Las-Vegas-Idol hereinspaziert: Engelbert Humperdinck. Persönlich!

Bei diesem Treffen habe ich mich selbst sehr genau beobachtet: Als sich Engelbert an den Tisch setzte, war ich fix und fertig. Endlich sah ich ihn einmal aus nächster Nähe! Meine erste Frage stellte ich mit großer Ehrfurcht. Die zweite Frage dann schon etwas lockerer. Und nach einer Viertelstunde war es eigentlich gar nichts Besonderes mehr, dass der Weltstar Engelbert vor mir saß. Es war zwar nicht ganz so, wie mit einem Freund im Gasthaus zu sitzen – aber in gewisser Weise so ähnlich.

Engelbert hatte an diesem Tag keinerlei Star-Allüren. Nach dem Interview blieb er sogar noch sitzen, und wir plauderten weiter. Wir lachten, scherzten, unterhielten uns über Rotweine und machten Fotos.
Schließlich ersuchte ich Engelbert um ein Autogramm für meine damalige Freundin Thea. Er schrieb es mit schwarzem Filzstift auf sein neues CD-Cover. Ich bedankte mich artig, doch beim Weggehen sah ich, wie sich der schwarze Filzstift auf dem CD-Cover langsam auflöste.

„Wenn ich zuhause ankomme, kann man die Widmung wahrscheinlich überhaupt nicht mehr lesen“, schoss es mir durch den Kopf.
Was also tun?
Nochmals zu Engelbert hingehen, damit er auf dieselbe CD noch eine Widmung schreibt?
Peinlich.
Aber, ich tat's.
Und er tat's auch. Schmunzelnd.
Wahrscheinlich hat meine Ex-Freundin seither die einzige CD auf der ganzen Welt mit zwei Engelbert-Originalwidmungen, denn der schwarze Filzstift mit seiner ersten Unterschrift löste sich letztendlich doch nicht ganz auf.

Auch den 4. September 2009 werde ich niemals vergessen. Da war ich nämlich noch immer ein glühender Engelbert-Fan. Und an diesem Tag rief mich der Engelbert sogar zu Hause an.
Das kam so:
Ein Telefon-Interview mit ihm war vereinbart. Zum Termin rief ich bei Engelbert in England an.
„Er ist gerade beschäftigt“, sagte mir eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung. „Aber er wird Sie zurückrufen. In ungefähr einer halben Stunde. Ihre Nummer …?“
Vor lauter Aufregung fiel mir meine eigene Telefonnummer nicht gleich ein. Ich musste sie suchen. Fand sie aber und sagte sie der Damenstimme durch. Auf Englisch. Dann legte ich auf. Und wartete ...

„Cool“, dachte ich. „Da sitz’ ich nun daheim, an meinem kleinen Schreibtisch, und gleich wird mich eines meiner größten Idole, das weltweit rund 150 Millionen Tonträger verkaufte, anrufen. Mr. Engelbert Humperdinck! Bisher hat mich noch nie ein Weltstar daheim angerufen. Oh, mein Gott, wenn das die Nachbarn wüssten ...“

Etwa 30 Minuten später klingelte mein Telefon.
„Waoh!“, dachte ich – und hob ab.
Mit aufgeregter Stimme sagte ich: „Hello?!“
Und? Er war’s wirklich!
Ich weiß schon, viele können nicht nachvollziehen, dass ich noch immer so hysterisch bin, nur weil mich der Herr Engelbert anrief. Aber stellen Sie sich vor, Sie sitzen daheim und wissen genau, in den nächsten Minuten ruft Sie – Ihr – ganz persönliches Idol an. Könnten Sie da noch ruhig bleiben? Und nachher ...? Würden Sie denn niemandem davon erzählen wollen?
Sehen Sie, und genau deshalb musste ich Ihnen jetzt auch diese Geschichte unbedingt erzählen.

Im Interview sprach Engelbert über seine Zeit als Fabriksarbeiter und darüber, dass er bis zu seinem 30. Lebensjahr kaum Geld hatte. Mitunter schlief er auf öffentlichen Toiletten, um mehr Geld in seine Showkostüme investieren zu können. Seine Eltern bat er niemals um Unterstützung. „Dafür war ich zu stolz“, sagte er. Als er 30 Jahre alt war, wurde er mit dem Welthit „Please release me (let me go)“ zum Multi-Millionär.

Seine Ehefrau Patricia lernte er bereits im Alter von 20 Jahren kennen. „Sie war damals erst 17“, erzählte er. „Wir lernten einander in einem Tanzclub in Leicester (GB) kennen. Ich sah sie und schickte sofort einen Freund zu ihr vor, weil ich selbst zu schüchtern war, um sie anzusprechen. Doch Patricia sagte zu meinem Freund: ,Sag ihm, er soll doch selbst zu mir herkommen.’ Also ging ich zu ihr hinüber. Wir kamen ins Gespräch. Damals war ich noch nicht berühmt, und ich streunte noch ein bisschen herum. Doch mit der Zeit erkannte ich, dass das Gras nicht grüner wird und heiratete Patricia.“

Aber auch in diesem Gespräch passierte mir eine kleine Peinlichkeit. Ich wollte von ihm wissen, wann er denn seinen Schnauzbart, der in den 1980er-Jahren sein Markenzeichen wurde, abrasiert hatte. Ich fragte ihn: „When did you cut your moustache?“ Allerdings sprach ich das Wort „moustache“ falsch aus. Ich sagte „mastätsch“ und nicht „mustasch“.
Engelbert: „Sorry, what do you mean?“
Ich: „When did you cut your mastätsch?“
Er: „My what …?“
Ich: „Your mastätsch!!! The little hairs over your overlip!“
Er lachte hinreißend – denn nun wusste er endlich, was ich meinte.
Sogleich wollte ich mich für mein schlechtes Englisch entschuldigen und sagte zu ihm: „Please have understanding, but my Englisch-Matura is schon very long ago."

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